CSR-Experte Andreas Severin: „Mitarbeiter fühlen sich in ‚guten‘ Unternehmen wohler“

Autorin: Lara Behrens, mediamoss

Corporate Social Responsibility (CSR) – Unternehmen zeigen zunehmend ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Je nach Engagement des Unternehmens entpuppt sich die Nachhaltigkeitskommunikation als Chance oder stellt die Kommunikatoren vor Probleme. Andreas Severin, Gesellschafter der Agentur crossrelations brandworks, hat uns fünf Fragen zu den Herausforderungen für Unternehmen und den Entwicklungen in der Berichterstattung beantwortet.

Andreas Severin

Seit 2017 ist die CSR-Berichtspflicht in Deutschland gesetzlich geregelt. Was müssen Unternehmen beachten?

Große Unternehmen müssen künftig ausführlicher über nicht-finanzielle Aspekte berichten. Dazu zählen Angaben über Arbeitnehmer-, Sozial- und Umweltbelange, Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption. Dabei muss das nicht in einem eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht münden, sondern der Berichtspflicht kann man auch im Rahmen des Lageberichts nachkommen. Nach der Neufassung des DSR20 (Rechnungslegungsstandard zum Konzernlagebericht) haben die meisten Unternehmen sowieso damit begonnen, die Berichterstattung über nicht-finanzielle Aspekte, wie Nachhaltigkeit, auszubauen.

Die CSR-Berichtspflicht hatte eigentlich vor allem unter den „Non-Reportern“ für Unruhe gesorgt und man konnte schon eine gewisse Wachsamkeit und Orientierungsbedarf feststellen. Die einen haben sich wieder zurückgelehnt, nachdem klar wurde, dass sie nicht in der Pflicht sind, andere haben das durchaus als Impuls aufgenommen, systematischer über ihre Nachhaltigkeitspraxis zu berichten.

Warum ist CSR-Berichterstattung für Unternehmen eine Chance?

Den meisten Unternehmen, mit denen wir reden, geht es weniger um irgendwelche Ratings oder Rankings. Sie bewegen sich wirtschaftlich eher in Märkten, in denen der Umgang mit Verantwortungsthemen einen wichtigen Indikator auf die Zukunftsfähigkeit und die Unternehmenskultur beisteuert. Ein Unternehmen, dass die Arbeitssicherheit priorisiert, zeigt in aller Regel auch gute Ergebnisse im Qualitätsmanagement.

Wenn Sie Unternehmen fragen, welche Zielgruppe ihnen bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung wichtig ist, zeigen fast alle primär auf die eigenen Mitarbeiter. Mitarbeiter fühlen sich in „guten“ Unternehmen einfach wohler und zeigen höhere Loyalitäten. Und Bewerber schauen auch eher in den CSR-Bericht als in den Geschäftsbericht, wenn sie ein Bild von der Ethik und Unternehmenskultur gewinnen wollen.

Welche Entwicklungen beobachten Sie in der Berichterstattung?

Auf der systematischen Seite wird das Thema Integrierte Berichterstattung die Unternehmen beschäftigen. Dahinter steht die ungeteilte Erkenntnis, dass die üblichen betriebswirtschaftlichen Kennzahlen nicht mehr ausreichen und finanzielles und nicht-finanzielles Reporting nur zusammen hinreichend aussagekräftig sind. Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 hat hier eine wesentliche Katalysatorfunktion gehabt. Geschäftsrisiken haben ebene immer auch frühe Indikatoren auf der nicht-finanziellen Ebene. Tatsächlich hatte das International Reporting Council (IIRC) mit einem Rahmenkonzept auch schon für die nötigen Orientierungen gesorgt. Allerdings ist das schon drei Jahre her und viele Unternehmen beobachten immer noch die Entwicklung und führen ansonsten ihre „Reporting-Silos“ weiter. Sie scheuen einerseits den Aufwand für die Neuausrichtung des Reportings, andererseits spüren sie auch noch zu wenig Druck von der Nachfrageseite.

Schließlich beschäftigt viele etablierte Berichterstatter die Umstellung der GRI-Guidelines von G4 auf die neuen „Sustainability Standards“. Inhaltlich hat sich da wenig geändert, aber Form und Anwendung erfordern ein paar Umstellungen bei den Prozessen und Aufbereitungen.

Auf der praktischen Seite hadern viele Unternehmen noch mit dem Thema Online-Berichterstattung. Während die anderen noch ein PDF für ein ausreichendes digitales Angebot halten, haben andere ihr Reporting schon konsequent interaktiv und über Online-Formate ausgestaltet. Dem läuft mitunter aber die Abkehr vom Desktop-Design und „Mobile First“ entgegen. Darin die schnell etwas ausführlicheren Berichtsinhalte aufzubereiten, ist nicht trivial. Das sind mitunter noch große Baustellen.

Was geht in Sachen CSR-Berichterstattung – und was nicht?

Viele deutsche Unternehmen sind schon auf einem recht ansehnlichen Niveau mit ihrer CSR-Berichterstattung. In Deutschland wie anderswo in der Welt haben vor allem die Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) über die letzten 15 Jahre die Qualität der Berichte bemerkenswert vorangetrieben. Wer sich heute entschließt, erstmals mit einem Bericht aufzuwarten, sollte das gut vorbereiten. Die Zeiten, in denen man mal eine schöne grüne Broschüre als Umweltbericht ausgeben konnte, um dann wieder in den grauen Alltag zurückzukehren sind definitiv vorbei. Heute sind Quickie-Angebote im Markt, für kleines Geld entlang von Templates Berichte zu realisieren. Wer sich darauf einlässt, hat Sinn und Zweck nicht verstanden und schadet seinem Unternehmen. Wer Nachhaltigkeitsberichterstattung nicht durchhalten kann, sollte die Finger davonlassen und das Geld lieber ins Sommerfest stecken. Nachhaltigkeitsberichte werden heute vor allem von den eigenen Mitarbeitern und von institutionellen Stakeholdern gelesen. Wenn man das nicht gewissenhaft berücksichtigt, fällt einem ein Bericht schnell schmerzhaft auf die Füße.

Wie lässt sich ein CSR-Bericht optimal in die Kommunikation einbinden?

Das ist seit Jahren die große Schwachstelle bei vielen Unternehmen und ein Ergebnis des „Silodenkens“. Eigentlich ist ein solcher Bericht ja nicht nur ein „Proof“ auf den Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung, sondern für die Kommunikatoren ein großartiger Fundus hochwertiger Geschichten, sei es für die externe wie für die interne Kommunikation. Da warten Nachhaltigkeitsberichte allerdings immer noch auf ihre Entdeckung. Ich bin allerdings zuversichtlich, dass die Nachfrage zu ethischen Themen auch hier den Kommunikationshaushalt der Unternehmen regulieren wird.

Zur Person:

Andreas Severin, Jahrgang 1960, ist Gründer und Gesellschafter von crossrelations – corporate communications consultants, seit 2012 crossrelations brandworks.

Nach Gründung der crossrelations GmbH Ende der 90er Jahre hat Severin die Einführung der GRI-Guidelines in Deutschland begleitet. Bereits im Jahr 2000 hat er mit VAW aluminium den ersten an GRI orientierten Bericht in Deutschland veröffentlicht. Seit dieser Zeit hat er mit seinen Teams etwa 60 (Folge-)Berichte produziert, zu jeder Richtliniengeneration. Darunter mehrere ausgezeichnete Berichte und Top-Platzierungen im IöW/Future-Ranking.  Zu den Kunden zählen namhafte Industrieunternehmen (darunter Volkswagen (14 Jahre), Altana, EON, Rhön Kliniken, RAG). crossrelations ist GRI Gold Member und aktives Mitglied im GRI Standards Pioneer‘s Programme.  Andreas Severin ist außerdem Jurymitglied der ECON Awards für den Bereich Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Christian Buggisch und sein Experiment zur Filterblase: „Echte Kommunikation gibt es da praktisch nicht“

Autor: Dennis Nathem, mediamoss

Jeder einzelne von uns lebt in einer Filterblase und kann nur Ausschnitte der Wirklichkeit wahrnehmen. Was passiert, wenn man die eigene digitale Umgebung verlässt und noch einmal komplett neu anfängt? Dieses Experiment hat Christian Buggisch gewagt: Am Anfang stand ein „Gefällt mir“ für die AfD. Im Interview für den mediamossblog berichtet er aus der „Filterblase Zwei“.

 Christian Buggisch mediamossblog

Herr Buggisch, fassen Sie bitte einmal kurz Ihre Aktion zusammen: Wann haben Sie begonnen Ihre zweite Filterblase aufzubauen, aus welchem Grund, und wie sind Sie dabei vorgegangen?

Auslöser war die Trump-Wahl im November 2016 und die Erkenntnis, dass ich wie viele andere die Wirklichkeit falsch eingeschätzt habe. Ich wollte, auch im Hinblick auf die Bundestagswahl 2017, zu einer realistischeren Einschätzung jenseits meiner Filterblase kommen. Diese Filterblasen waren aus meiner Sicht ein Grund dafür, weshalb wir so gar nicht geahnt haben, dass Clinton nicht Präsidentin werden und die Briten tatsächlich die EU verlassen könnten.

Deshalb habe ich mit einem Pseudonym ein zweites Facebook-Profil aufgemacht und mich rechtslastig in einer neuen Filterblase vernetzt. Ich habe damit begonnen, die AfD-Seite zu liken, das wurde dann sehr schnell ein Selbstläufer, weil ich nur den weiteren Vorschlägen von Facebook folgen musste.

Was wollen Sie damit bezwecken?

Das Ziel war es, aus erster Hand zu erfahren, was in einer rechtslastigen Community gedacht wird, welche Themen dominieren. Ich wollte auch sehen, wie die Filterblasen funktionieren und wie stark sie wirken. Und ich wollte wissen, ob man etwas tun kann, ob man argumentieren kann in diesen Kreisen, eventuell sogar jemanden überzeugen kann.

Was haben Sie bisher herausgefunden?

Eine der Erkenntnisse ist, dass sehr wenig Kommunikation im Sinne von Austausch von Argumenten und Diskussion stattfindet. Stattdessen gibt es ‚stakkatoartige Schlagwortkommunikation‘, sprich: Es werden Links, Meinungen, Thesen gepostet, in der Regel sehr steil und schrill, und auf die wird reagiert. Mit Emojis natürlich und mit sehr knappen Kommentaren, wie „Jawohl!“ oder „Skandal!“. Die visuelle Kommunikation ist auch sehr ausgeprägt, da wird zum Beispiel ein Bild mit einem Galgen als Reaktion gepostet. Aber echte Kommunikation mit Austausch von Gedanken und Argumenten, die auch Ansatzpunkte liefert, um tatsächlich in ein Gespräch zu kommen, gibt es praktisch nicht.

Auffällig ist, dass es sehr wenige sehr aktive Nutzer sind, die die Initialbeiträge liefern. Es ist nicht so, dass sich da eine Community trifft, in der mal der eine und mal der andere etwas sagt. Es gibt einige wenige Führungspersonen, die die Kommunikation stark dominieren.

Vieles konnte man so erwarten, weil es die Klischees erfüllt. Welche Erfahrungen haben Sie dagegen überrascht?

Die größte Überraschung war, wie schnell die Filterblase abgedichtet war. Es wird ja immer wieder angeführt, dass Filterblasen nichts Neues sind. Das stimmt natürlich, jeder Stammtisch ist eine Filterblase. Aber der Unterschied ist, dass „analoge“ Filterblasen offener sind und sich wieder auflösen. Die digitalen Blasen sind unglaublich schnell geschlossen, da genügen drei Klicks bei Facebook, dann ist man in einer Community und bleibt auch in ihr. Das Perfide daran ist, dass viele Nutzer gar nicht wissen, dass sie eine gefilterte Wirklichkeit präsentiert bekommen. Denn was außerhalb ihrer Blase passiert, sehen sie gar nicht.

Welche Lehren kann man aus Ihren Erfahrungen in der Filterblase Zwei ziehen, für den Umgang mit Hass im Netz und den Menschen am „rechten Rand“?

Man kann die Lehre ziehen, dass es definitiv keine einfachen Lösungen gibt. Es werden zahlreiche Probleme deutlich. Bei Hate Speech zum Beispiel glaube ich, dass sowohl Politik als auch die Plattformbetreiber als auch jeder einzelne etwas tun muss. Politiker zum Beispiel neigen dazu, über neue und verschärfte Gesetze an sowas heranzugehen, das halte ich für schwierig. Es gibt ja Gesetze, die aber zu wenig angewendet werden, weil die Justiz mit dem digitalen Tempo kaum mithalten kann. Wenn man jetzt neue Gesetze schafft, können schnell wichtige Grundrechte wie die Meinungsfreiheit tangiert werden. Das gilt auch, wenn Plattformbetreiber gegen Hate Speech vorgehen.

Gibt es auch Lehren für die Wahrnehmung unserer eigenen Filterblase?

Ja, definitiv. Wir alle fühlen uns wohler, wenn man unsere Meinung bestätigt, als wenn man ihr widerspricht. Mir wurde klar, dass ich diese Sehnsucht nach bestätigenden Meldungen, die mein eigenes Weltbild eher noch runder machen, überwinden muss. Das hat dazu geführt, dass ich explizit Menschen und Seiten in meiner normalen Filterblase zulasse, mit denen ich nicht übereinstimme. Niemand wird entfreundet, nur weil er konträre Positionen bezieht. Das ist ein Teil der Vielfalt, die ich haben will. Diesen Schalter im Kopf sollte jeder umlegen, auch wenn es schwerfällt.

Dachten Sie in der Filterblase Zwei bei manchen Meldungen und Meinungsäußerungen auch mal: „Da ist was dran“?

Die Filterblase ist sehr ermüdend, wenn man sie längere Zeit verfolgt, weil immer wieder die gleichen drei Frames, also Deutungsrahmen, bedient werden: Es geht gegen Fremde, also Muslime oder generell Ausländer, es geht gegen etablierte Politiker und es geht gegen Institutionen wie die so genannte „Lügenpresse“.

Nicht alles, was dazu gepostet wird, ist falsch, zum Beispiel gibt es natürlich kriminelle Ausländer. Jeder Einzelfall wird aber absolut gesetzt. Jedes Beispiel eines kriminellen Ausländers dient als Beleg dafür, dass alle Ausländer kriminell sind, und dem stimme ich natürlich nicht zu.

In ihrem Blog schreiben Sie, dass Fake News bereitwillig geglaubt werden, weil sie nach Ansicht der Leser in der Filterblase zutreffend sein könnten. Was sind das für Fake News, und wer sind die Urheber?

Ich bin der Meinung, man sollte Fake News relativ eng definieren: Es muss eine redaktionelle oder journalistische Verarbeitung geben, es muss eine bewusste Fälschung sein (ein Recherchefehler führt also nicht gleich zu Fake News) und es muss ein Ziel verfolgt werden, es muss sich also um eine absichtliche und zielgerichtete Desinformation handeln.

Es gibt Plattformen, die gezielt Fake News verbreiten, teils russischer, teils deutscher Herkunft. Sie wollen zum einen Reichweite generieren, zum anderen verfolgen sie ideologische Ziele und bedienen genau die Frames, die ich eben erwähnt habe.

Sehen Sie Möglichkeiten, wie Medienmacher und die Kommunikationsbranche dem Auseinanderdriften der Gesellschaft entgegenwirken können?

Für Unzufriedenheit gibt es immer Gründe, und die sind zunächst politisch und gesellschaftlich zu lösen und nicht durch die Kommunikationsbranche. Dennoch sehe ich Handlungsbedarf auch für Medienmacher: Der seriöse Journalismus sollte wieder an Gewicht gewinnen. Journalismus war schon immer ein Korrektiv gegen Fake News und so genannte alternative Fakten. Dieser Journalismus ist durch die Digitalisierung, wie wir alle wissen, in Bedrängnis geraten. Die Lücke, die entstanden ist, wurde gefüllt durch eine Vielzahl an Angeboten, die bei weitem nicht alle seriös sind, sondern im Gegenteil für Beliebigkeit, Verwirrung und fehlende Orientierung sorgen.

Vielen Dank!

 

Christian Buggisch mediamossblog Beitrag

Zur Person:

Christian Buggisch leitet das Corporate Publishing bei der DATEV eG. In seiner Freizeit äußert er sich in seinem Blog „über Internet und echtes Leben“ zu verschiedensten Themen – von Homöopathie über Soziale Medien bis zu Rezepten. Für den Blog hat er auch einige Artikel über das Experiment Filterblase Zwei verfasst.

Wenn aus Selfies große Kunst wird: Vier Fragen an Franz-Josef Baldus zur App Prisma

 

Autor: Konstantin Holtkamp, mediamoss

mediamoss Prisma See

Der Blick aus dem Büro am Phoenixsee in Dortmund: Links das Originalfoto, rechts dasselbe Foto überarbeitet mit dem Prismafilter Dreams.

 

Das Selfie ist nach wie vor ein wichtiger Bestandteil unserer sozialen Netzwerke. Doch das einfache Bild von sich selbst reicht schon lange nicht mehr aus, um die beliebten „Likes“ zu generieren. Immer wieder drängen deshalb Foto-Filter-Apps auf den Markt, um das Selfie-Erlebnis noch interessanter und spannender zu gestalten. Die neueste App nennt sich Prisma.

Prisma ist eine Foto-App die es erlaubt, Bilder aufzunehmen und anschließend in der Art großer Kunstwerke nachzubearbeiten. Ein erstes Plus, die Applikation lässt sich kostenlos aus dem iOS Store runterladen. Nur iOS? Jawohl nur iOS. Die App steht seit Mitte Juni für iPhone Nutzer im Appstore zur Verfügung und schon jetzt rangiert sie in einigen Ländern auf den Top-Plätzen der iTunes-Chartliste. Die Android-Version soll Mitte bis Ende Juli folgen.

Auf den ersten Blick wirkt die App sehr aufgeräumt. Nach dem Öffnen begegnet dem Nutzer die gewohnte Aufmachung der normalen Kamera-App. Mit Auslöser, der Blitz-Konfiguration, den allgemeinen Einstellungen und der Möglichkeit, bereits aufgenommene Bilder anzusehen und zu bearbeiten sind eigentlich alle Funktionen wie gewohnt vorhanden.

Nach der Aufnahme eines Bildes, hat der Nutzer nun die Qual der Wahl. Er kann zwischen 34 verschiedenen Filtern hin- und herswipen. Was hier bereits auffällig ist, die App benötigt stets eine kurze Gedenksekunde bevor sie den entsprechenden Filter geladen hat (bei Nutzung eines iPhone 5S). Die Ergebnisse sind durchaus vorzeigbar und vielfältig. Von van Goghs Strichtechnik bis hin zu Edvard Munchs Maltechnik, bekannt vom Kunstwerk „Der Schrei“, ist alles dabei. Doch die App birgt auch Tücken, so stellen der Datenschutz und der erhöhte Datenvolumenverbrauch große Probleme dar. Der Social-Media-Experte Franz-Josef Baldus hat für uns eine Einschätzung vorgenommen.

Herr Baldus, was unterscheidet Prisma von der Vielzahl an herkömmlichen Filtern bei Instagram?

Franz-Josef Baldus: Prisma bietet andere Filter als Instagram und macht aus Fotos Illustrationen oder Gemälde in unterschiedlichem Stil. Das können Instagram-Filter nicht.


Bis vor kurzem war Hipstamatic eine angesagte App für Instagram-Filter. Diese 
ist mittlerweile jedoch weitestgehend vom Markt verschwunden. Wird der Hype um Prisma genauso zurückgehen?

FJB: Selbstverständlich wird der Hype um Prisma wieder zurückgehen, es sei denn, die App nutzt ihre aktuelle Popularität, entwickelt sich kontinuierlich weiter und überrascht uns jeden Monat neu.


Ein großes Diskussionsthema bei der App ist der Datenschutz. Sollte man sich darum Gedanken machen oder wird das Thema überbewertet?

FJB: Das Thema wird überbewertet. Letztlich sind unsere Daten nirgends absolut sicher, auch dann nicht, wenn sie noch in unserer Camera Roll liegen.


Glauben Sie, die App wird  zukünftig kostenpflichtig?

FJB: Ich kenne das Geschäftsmodell von Prisma nicht, aber wenn dadurch die App um eine Video-Funktion erweitert würde, dann würde ich liebend gern dafür bezahlen. So musste ich für mein kurzes Prisma-basiertes Video für Instagram über 100 Einzelfotos erstellen und im Smartphone-Schnittprogramm aufwändig zusammenführen. (https://instagram.com/p/BHyegcZD2Fc/)

 

mediamoss Prisma Burg

Das mediamoss-Büro am Phoenixsee in Dortmund: Links das Originalbild, rechts dieselben Bilder überarbeitet mit den Filtern Roland und Curtain.

 

Abschließende Einschätzung: Prisma ist ein nettes Gadget, was es zügig in die Top-Charts der App-Store Listen schaffte. Die App bietet eine unterhaltsame Abwechslung zu den herkömmlichen Filtern bei Instagram und könnte zukünftig mit interessanten Neuerungen auf Smartphones einen dauerhaften Platz finden.
 

Zur Person: Franz-Josef Baldus ist Geschäftsführer der Firma koelnkomm kommunikationswerkstatt gmbh in Köln und ein Vorreiter, bei der Produktion von Kurzvideos, Cinemagraphs und animierter GIFs. Mit seinem Team veröffentlicht er täglich lustige, erstaunliche und unterhaltsame Videos in den sozialen Netzwerken und schuf sich so eine breite Anhängerschaft.

 

Links:

Instagram:      https://www.instagram.com/koelnkomm/

Vine:               http://www.vine.co/fjbaldus

Twitter:          http://www.twitter.com/koelnkomm

 

 

 

 

GDV-Chefkommunikator Christoph Hardt: „Machen Sie aus dem Newsroom einen Platz des Austauschs und der Diskussion“

 

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Christoph Hardt hat zwei große Newsroom-Projekte verantwortet: Bei der Siemens AG und beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) veränderte er die Kommunikationsstrukturen von Grund auf.


Viele Unternehmen und Organisationen überlegen, einen Newsroom einzuführen. Was raten Sie den Projektverantwortlichen?

Christoph Hardt: Newsroom bedeutet Veränderung weit über die Kommunikation hinaus. Wer den Newsroom will, der trifft eine strategische Entscheidung. Sie brauchen deshalb die rückhaltlose Unterstützung des CEO, und diese muss klar und deutlich allen Mitarbeitern vermittelt werden.

Die Einführung eines Newsrooms braucht Zeit…

CH: Als Manager der Veränderung brauchen Sie langen Atem und müssen mit starken Widerständen des Establishments rechnen. Externe Begleitung ist daher unbedingt anzuraten. Diese hilft gerade im Konfliktfall.

Was macht den Geist dieser Neuorganisation aus?

CH: Im Kern bedeutet der Newsroom ein Umsteuern der gesamten Kommunikation hin zur digitalen Wirklichkeit. In dieser Wirklichkeit ist Content die Währung, die entscheidet. Der Newsroom erleichtert es wie keine andere Organisationform in der Unternehmenskommunikation, aus einer bisher reaktiv agierenden Pressestelle einen aktiven Publisher von gutem Content zu machen. Die Chefs müssen diesen Rollenwandel verdeutlichen und vorleben.

GDV-Kommunikation: Newsroom

Blick in den Newsroom des GDV.


Muss ein Newsroom auch ästhetischen Ansprüchen gerecht werden?

CH: Im Newsroom ist der Raum und seine Gestaltung keine Nebensache. Legen Sie Wert auf gute Architektur, professionelle Planung und dann vor allem auch passendes Mobiliar. Der Newsroom muss ein Platz sein, in dem Menschen gerne arbeiten, er soll Kommunikation anregen, sie nicht abtöten. Das kostet zwar Geld, rechnet sich aber schon mittelfristig. Einerseits betriebswirtschaftlich, weil die laufenden Kosten pro Mitarbeiter deutlich günstiger sind als im Falle von Einzelbüro-Lösungen. Noch wertvoller ist der Reputationsgewinn. Wer einen Newsroom hat, der beweist, dass er offen für Veränderung ist.

Wie nimmt man die Mitarbeiter mit?

CH: Schulen Sie ihre Kollegen. Der Umschwung von der reaktiven Kommunikationsarbeit zum aktiven Publishing, zur aktiven Themenplanung und zum Agenda-Setting erfordert von Ihren Kollegen viel Veränderungs- und Lernbereitschaft. Und Storytelling ist alles andere als leichtes Handwerk, es will gelernt sein – das gilt übrigens auch für Journalisten. Weil aber die Textschwäche eines der größten Defizite in Unternehmenskommunikationen darstellt, gehört Lernen im Newsroom zum Alltag.

Wie offen sollte ein Projektmanager kommunizieren?

CH: Beteiligen Sie die Kollegen frühzeitig an den Planungen, organisieren Sie Besuche auf der Baustelle, schaffen Sie Freiräume für Diskussion und Debatte. Dann formiert sich eine Truppe, die die Veränderung nicht nur lebt, sondern sie positiv ins Unternehmen trägt.

Welche Rolle spielt Kritik im Newsroom?

CH: Eine offene Kommunikationskultur ist wichtig, in der Respekt vor den Kollegen genauso wichtig ist wie Kritikbereitschaft. Holen Sie externe Experten in den Newsroom, organisieren Sie Blattkritiken, machen Sie aus dem Newsroom einen Platz des Austauschs und der Diskussion, die nach draußen und nach drinnen wirkt.

Christoph-Hardt-GDV
Christoph Hardt ist Geschäftsführer Kommunikation beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. Das Gespräch führte Lara Behrens, Team- und Projektleiterin bei mediamoss.

 

 

Weitere Beiträge zum Thema Newsroom im mediamossblog:

Newsroom-Seminar in München: Zu Besuch bei der Allianz

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Nicht überall wo Newsroom draufsteht, steckt auch Newsroom drin

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100.000 Follower auf Twitter: Herzlichen Glückwunsch Porsche Newsroom!

Kein Content Marketing ohne Autoren

Veränderung kommunizieren

Porsche und der Newsroom: Interview mit Dr. Josef Arweck

Newsroom

Weitere Informationen finden Sie im Herausgeberband Der Newsroom in der Unternehmenskommunikation. Das Buch ist bei Springer VS erschienen und sowohl als E-Book als auch als Softcover erhältlich.

www.mediamoss.me

Porsche und der Newsroom: Interview mit Dr. Josef Arweck

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Pünktlich zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans hat die Porsche AG ihren neuen Social-Media-Newsroom gestartet. Ein Gespräch mit Dr. Josef Arweck, Leiter der internen Kommunikation bei Porsche.

 

Warum braucht Porsche einen Newsroom?

Dr. Josef Arweck: Porsche will transparent informieren und das mit zeitgemäßen Instrumenten. Unsere Zielgruppen arbeiten verstärkt online. Darauf reagieren wir mit dem Newsroom. Die Plattform soll die zentrale Anlaufstelle für Recherche über Porsche im Web werden.

 

Welche Funktionen bietet der Newsroom?

JA: In erster Linie geht es um Nachrichten und Hintergrundberichte rund um Porsche. Ergänzt werden diese mit der ganzen Bandbreite an Angeboten, die eine multimediale Plattform zur Verfügung stellt. Dazu gehören Videos, Bilderserien, Downloads, weiterführende Links – jeder Artikel ist ein eigenes Themenportal. Wichtig ist uns auch die Verknüpfung mit den sozialen Medien.

 

Welche Zielgruppe sprechen Sie damit an?

JA: Journalisten, Blogger und Online-Multiplikatoren. Wir haben den Newsroom aber ganz bewusst für alle Interessierten zugänglich gemacht.

 

Welchen Mehrwert bietet der Newsroom der Zielgruppe?

JA: Der größte Mehrwert sind die exklusiven Einblicke in das Unternehmen und die breite Palette an Zusatzinfos. Noch nie zuvor hat Porsche in einem crossmedialen Online-Angebot so weit hinter die Kulissen blicken lassen.

 

Was ist das Alleinstellungsmerkmal des Newsrooms?

JA: Der Newsroom bietet umfassende Informationen aus erster Hand, die es anderswo nicht gibt und nicht geben kann, da niemand so nah am Unternehmen ist wie wir selbst. Wir bieten die einmalige Möglichkeit, Einblicke in das Unternehmen zu nehmen, die mit der traditionellen Pressearbeit bisher nicht möglich waren.

 

Das Gespräch führte Simon Albers, mediamossblog.

Foto: www.newsroom.porsche.com