Warum das Kundenmagazin crossmedial werden muss

Autorin: Mijka Ghorbani, International School of Management

Kundenmagazine gelten auf Unternehmensseite als tradierte Kommunikationsinstrumente. Sie sind fester Bestandteil vieler Kundenbindungsprogramme und ein klassisches Element des Corporate Publishing. Reine Printprodukte verlieren in der heutigen Zeit jedoch zunehmend an Bedeutung. Viele Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen haben daher das Potenzial erkannt, Kundenmagazine digital und crossmedial zu gestalten.

Das Kundenmagazin ist seit Jahrzehnten ein wichtiges Instrument der Unternehmenskommunikation. Titel wie „mobil“ von der Deutschen Bahn erscheinen in Deutschland bereits seit mehreren Jahrzehnten und sind weithin bekannt. Doch in Zeiten der Digitalisierung verlieren Printangebote an Relevanz – parallel steigen die Kosten und der Aufwand für ihre Produktion. Die Lösung dieses Problems kann ein digitales Kundenmagazin sein. Ein solches Online-Themenportal dient gleichermaßen dem Content Marketing wie auch der integrierten Markenführung. Denn neben dem Angebot an nützlichen Informationen, kann ein digitales Kundenmagazin spannende Geschichten rund um das Unternehmen, die Produkte und Mitarbeiter multimedial darstellen.

Mit der wachsenden Bedeutung von Content Strategien steigen auch die grundlegenden Ansprüche an ein Kundenmagazin. Im Gegensatz zur klassischen Werbung stehen bei diesem nicht die Produkte, sondern die Themen im Mittelpunkt. So sollen die redaktionell aufbereiteten Inhalte dem Zielpublikum primär einen Unterhaltungs- oder Nutzwert bieten. Auf diese Weise demonstriert das Unternehmen Kompetenz und Glaubwürdigkeit, was auf Kundenseite zum Aufbau von Vertrauen führen kann. Kunden- und Markenbindung lassen sich somit nachhaltig stärken. Das entscheidende Qualitätsmerkmal für jede Art von Kundenmagazin ist daher der journalistische Gestaltungsanspruch.

Die Entscheidungen über Themenauswahl, Gliederung, Tonalität und Bildsprache hängen dabei stark von der Markenidentität und den Bedürfnissen der Bezugsgruppen ab. Dies erklärt auch die große Vielfalt an Kundenmagazinen und ihre unterschiedlichen Gestaltungsmöglichkeiten. Konsumgüterhersteller können beispielsweise eine breite Palette an Themen wie Lifestyle, Mode oder Ernährung bedienen. So bietet der Online-Supermarkt „AllyouneedFresh“ von DHL in seinem Online-Magazin zum Beispiel umfangreiche Informationen zu Rezepten und Food-Trends sowie Tipps zu saisonalen Anlässen. Die Print-Version des Magazins ähnelt hingegen vielmehr einem reduzierten Produktkatalog, der Kunden zunächst einmal an den Online-Shop für Lebensmittel heranführen und mit QR-Codes die crossmediale Verbindung herstellen soll.

Im Gegensatz zu Konsumgüterherstellern legen etwa Finanz- und Versicherungsdienstleister den Schwerpunkt ihrer Kundenmagazine auf ausführliche, fachkundige Artikel. Diese sollen vornehmlich ihre Expertise und Beratungskompetenz belegen. Beispielsweise wählte die comdirect Bank für ihr Kundenmagazin den Titel „compass“, welcher repräsentieren soll, dass die Publikation für Kunden ein Wegweiser in Finanz- und Wirtschaftsthemen ist. Die Artikel des Magazins behandeln daher Markt- und Aktienentwicklungen, politische Ereignisse und gesellschaftliche Trends. Zur Darstellung vertrauen die Autoren auf ein breites Spektrum an journalistischen Stilformen, von Reportagen über Interviews bis hin zu Kommentaren. Die zugehörige Online-Plattform verknüpft zudem die Artikel mit dynamischen Wirtschaftskennzahlen, dem Bewegtbild-Format „compass Talk“ und einem umfangreichen Glossar. Dieses digitale Zusatzangebot stiftet den Kunden des Unternehmens einen reellen Mehrwert. Der „compass“ demonstriert somit glaubwürdig die Markenattribute der comdirect Bank, beispielsweise Pragmatismus, Beratungskompetenz und Innovationsfreude.

Diese zwei unterschiedlichen Beispiele zeigen, dass Kundenmagazine nach wie vor eine hohe Relevanz für den Aufbau von Reputation und Markenvertrauen besitzen. Der inhaltliche Gestaltungsanspruch ist dafür das entscheidende Qualitätsmerkmal. Weiterhin darf sich ein digital umgesetztes Magazin nicht als bloße Abbildung der gedruckten Version herausstellen, sondern muss Inhalte aus dem Print- und Online-Bereich intelligent verknüpfen. Multimediale Zusatzangebote wie Bildergalerien, Video-Tutorials oder Gastbeiträge von Experten oder Influencern steigern die Attraktivität und auch die Glaubwürdigkeit des Formats. Denn nur crossmedial ausgerichtete und kanaladäquat aufbereitete Inhalte führen dazu, dass sich das Kundenmagazin als Online-Themenportal zum tragenden Instrument des Content Marketings entwickelt.


Über die Autorin:
Mijka Ghorbani studiert im Masterstudiengang „Strategic Marketing Management“ an der International School of Management in Dortmund. 2018 absolvierte sie ein Praktikum bei Mediamoss.