Social Media Guidelines sorgen für Orientierung, Sicherheit und Motivation

Die Mediennutzung der jungen Generation ändert sich deutlich – das betrifft nicht nur das Fernsehen, sondern vor allem die sozialen Netzwerke. In seinem neuen Buch „Unternehmenskommunikation. Erfolgreiche Kommunikationskonzepte aus Wissenschaft und Praxis“ zeigt Professor Dr. Markus Kiefer unter anderem, wie Unternehmen ihren Mitarbeitern mit Social Media Guidelines mehr Orientierung und Sicherheit vermitteln können.

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Autor dieses Beitrags: Professor Dr. Markus Kiefer lehrt seit 2001 an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management (Foto: Recito).

Die Mediennutzung der jungen Generation ändert sich sehr deutlich. Die früher selbstverständliche Zeitungslektüre ist für viele in der Altersgruppe der 14-29-Jährigen unvorstellbar. Lineares Fernsehen findet dort überwiegend ebenfalls nicht mehr statt. An diese Stelle tritt eine intensive YouTube–Nutzung. Das tägliche, oft mehrfache Nutzen Sozialer Netzwerke wie Facebook, das Teilen von Videos, Fotos und sonstigen Links über WhatsApp u.a. ist praktizierte Kommunikationsrealität, vor allem in den Altersschichten unter 50, mit zunehmender Tendenz aber auch bei den Älteren.

Selbstverständlich findet alles das auch in den Unternehmen statt. Während der Arbeitszeit also. Dürfen Mitarbeiter das? Sollen Unternehmen dies zulassen, stillschweigend dulden oder aber kategorisch ausschließen?

Es geht dabei nicht nur um die Frage, ob eine private Kommunikation während der bezahlten Arbeitszeit legitim ist. Dies ist eine wichtige Frage. Die übrigens bereits bei der Nutzung privater E-Mail-Kommunikation im Betrieb und deren bewusster oder unbewusster Duldung durch den Arbeitgeber beginnt. 

Aber die eigentliche Dimension des Themas liegt woanders. Darf oder soll man sich auf Facebook und Co. als Mitarbeiter(in) des Unternehmens offen zu erkennen geben? Dürfen Mitarbeiter sich in den Sozialen Netzwerken über ihr Unternehmen, dessen Führungskräfte, seine Produkte äußern oder nicht? Was tue ich, wenn sich meine Facebook-Freunde kritisch über meinen Arbeitgeber äußern? Was ist, wenn man sogar direkt und öffentlich im eigenen Netzwerk auf öffentlich sichtbare Probleme angesprochen und direkt zur Antwort herausgefordert wird.  Nach dem Motto: „Arbeitest Du nicht bei denen – sag doch mal was!“ Schweigen, dagegenhalten?  Diese Fragen werden gestellt, innerhalb betrieblicher Arbeitszeiten ebenso selbstverständlich wie in der Freizeit.

Man kann sogar noch weitergehen. Es ist doch schon immer so: Identifizierte und überzeugte Mitarbeiter sind die ersten, besten und wirkungsvollsten Markenbotschafter des Unternehmens in der Außenkommunikation. Wer, wenn nicht ein kompetenter Mitarbeiter sollte die Leistungen des Unternehmens besser darstellen können? Überzeugende Zeugen sind besser als jedes Marketing-Kommunikationsmittel. In dieser Perspektive birgt das freiwillige Kommunizieren eines loyalen Mitarbeiters in den Sozialen Netzwerken sogar bislang vielleicht übersehene Optionen.

Diese wichtigen Fragen berühren mehrere sensible Felder des Unternehmens. Zum einen die IT-Sicherheit, darüber hinaus haben sie gravierenden arbeitsrechtliche Implikationen. Sie berühren die Unternehmenskultur ebenso wie die Außendarstellung des Unternehmens. 

Vieles spricht dafür, diese Fragen nicht offen zu lassen, sondern in einem transparenten Prozess offensiv anzugehen, sie zu regeln. Die Erstellung von Social Media Richtlinien oder Social Media Guidelines ist ein solcher Weg. Ob man ihn mit oder ohne direkte Beteiligung der Mitarbeiter gehen will, ist eine Frage der Betriebsverfassung ebenso wie eine Frage von Offenheit der Kommunikationskultur. Da sind durchaus unterschiedliche Lösungen denkbar. Am Ende ist entscheidend: solche Leitsätze schaffen Klarheit und Sicherheit, wie sich Mitarbeiter verhalten dürfen oder sollen, wenn in den neuen Medien die Sprache auf ihr Unternehmen kommt.

Dieser Beitrag ist im Buch „Unternehmenskommunikation. Erfolgreiche Kommunikationskonzepte aus Wissenschaft und Praxis.“ bei Recito erschienen. Der Autor Markus Kiefer richtet sich darin an Praktiker in der Kommunikation, die über den Tellerrand hinaus denken. Ein Buch für Kommunikatoren der Zukunft. 

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Zur Person:

Professor Dr. Markus Kiefer lehrt seit 2001 an der FOM Hochschule für Oekonomie und Management. An seiner Professur für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre befasst er sich täglich mit Themen der Unternehmenskommunikation und des Marketings.

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